Kunststoffe mittels Infrarot-Spektroskopie identifizieren
Durch die materialspezifische reflektierte Infrarotstrahlung lassen sich Kunststoffe analysieren und identifizieren. Mithilfe des Infrarot-Spektrometers (Typ Lyza 3000 von Anton Paar) nehmen wir die reflektierte Strahlung in Abhängigkeit der Wellenlänge auf. So erfassen wir ein materialspezifisches Infrarot-Spektrum. Kunststoffe mittels Infrarot-Spektroskopie (oft auch FTIR-Spektroskopie genannt) identifizieren ist heute Stand der Technik in der Qualitätssicherung und Schadensanalyse.
Diese Infrarot-Spektren unterscheiden sich je nach chemischer Zusammensetzung der Kunststoffe. Anwender können die Kunststoffe identifizieren, indem sie die Spektren mit einer Datenbank abgleichen. Das Institut für Kunststoff- und Entwicklungstechnik (IKET) hat inzwischen eine Datenbank mit über 600 verschiedenen Kunststoffen erstellt. Zudem können die Anwender die Infrarot-Spektren auswerten und einzelne Absorptionsbanden chemischen Molekülgruppen zuordnen. Somit liefert die IR-Spektroskopie einen molekularen „Fingerabdruck” des jeweiligen Kunststoffs.
Das materialspezifische Erkennen von Kunststoffen wird am IR-Spektrum des Propf-Copolymers Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) veranschaulicht. Die einzelnen Abschwächungen des Signals, auch Absorptionsbanden genannt, lassen sich den einzelnen Bestandteilen zuordnen (siehe Abb. 1).
Abb. 1: Infrarot-Spektrum von Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) – Terluran GP 35 [1]
Kunststoffe mittels Infrarot-Spektroskopie eindeutig identifizieren
Die einzelnen Monomer-Anteile des schlagzähen, zweiphasigen Kunststoffs ABS lassen sich wie folgt erkennen:
- Styrol-Acrylnitril-Copolymer (SAN) – Diese kontinuierliche, harte Phase in den Seitenketten besteht aus den folgenden Monomeren:
- Styrol: Es lässt sich einerseits durch das aromatische Ringsystem bei ~1600 cm⁻¹ sowie ~1490/1450 cm⁻¹ (C=C-Streckschwingungen des Benzolrings) nachweisen. Andererseits zeigen sich sehr starke Banden bei ~760 cm⁻¹ und ~700 cm⁻¹. Sie sind auf die Deformationsschwingungen der C-H-Bindungen am aromatischen Ring zurückzuführen.
- Acrylnitril: Die sehr scharfe und markante Bande bei ~2235 cm⁻¹ steht für die Nitrilgruppe (C≡N) und ist somit der eindeutigste Indikator für Acrylnitril im ABS.
- Polybutadien – disperse, zähelastische Phase in der Hauptkette bestehend ausschließlich aus
- Butadien: Der Peak bei ~966–910 cm⁻¹ ist typisch für die C=C-Deformationsschwingung (trans-1,4-Butadien) und zeigt dadurch die elastische Gummiphase im ABS an.
Somit lässt sich der Kunststoff ABS mittels Infrarot-Spektroskopie eindeutig identifizieren. In gleicher Weise lassen sich auch die beiden teilkristallinen Kunststoffe Polyamid 6 (PA 6) und Polybutylenterephthalat (PBT) durch spezifische Banden eindeutig unterscheiden (siehe hierzu Abb. 2 und 3).
Da sich die Kristallitschmelzbereiche von PA 6 und PBT teilweise überschneiden, ist die Interpretation der DSC-Analyse oft nicht eindeutig. Das FTIR-Spektrum hingegen trennt die beiden Kunststoffe eindeutig voneinander. Es erlaubt zudem ein materialspezifisches Erkennen. PA 6 zeigt die für es charakteristische Doppelbande im Bereich ~1630/1535 cm⁻¹ (Amid I und II), während PBT die typische Esterbindung bei ~1715 cm⁻¹ ohne die Amid-II-Bande aufweist.
Abb. 2: Infrarot-Spektrum von Polyamid 6 (PA 6) – Durethan B30S [1]
Abb. 3: Infrarot-Spektrum von Polybutylenterephthalat (PBT) – Pocan B3235 [1]
Ein wesentliches Instrument zur Qualitätssicherung sowie zur systematischen Schadensanalyse bei Kunststoffen:
Die Infrarot-Spektroskopie in Kombination mit der DSC-Analyse
Beide Analysemöglichkeiten haben ihre Vorzüge:
- Mit der IR-Spektroskopie kann ein unbekannter Kunststoff schnell und materialspezifisch erkannt werden. Darüber hinaus ist es möglich, auf Basis seiner chemischen Struktur nach Modifikationen (z. B. Hydrolyse, Oxidation) zu suchen.
- Mithilfe der DSC-Analyse können Verarbeitungseinflüsse anhand des Kristallisationsgrads bestimmt, Materialabbau erkannt und der exakte thermische Einsatzbereich der Kunststoffe ermittelt werden.
Das Institut für Kunststoff- und Entwicklungstechnik IKET nutzt die Kombination beider Methoden. Mithilfe der Infrarot-Spektroskopie (FTIR) lassen sich Kunststoffe anhand ihres molekularen „Fingerabdrucks“ schnell und zerstörungsfrei erkennen. In Kombination mit der thermischen DSC-Analyse ist eine lückenlose Qualitätssicherung sowie eine aussagekräftige Schadensanalyse von Kunststoffen möglich.
Bei gefüllten oder verstärkten Kunststoffen ist es sinnvoll, den Gehalt an mineralischen Füllstoffen oder Glasfasern zusätzlich durch die Bestimmung des Glührückstands zu ermitteln.
Weitere Informationen hierzu erhalten Sie auf unserer Website unter „Analyse und Identifikation von Kunststoffen„.
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[1] J. Amma: Qualifizierung des FTIR-Spektrometers für die Identifizierung und Untersuchung von Kunststoffen, Studienarbeit, DHBW Stuttgart Campus Horb, 2026.




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